Richard Nell – The God King’s Legacy

Flintlock Fantasy, also Fantasy die in irgendeiner Form die Waffengattung des Steinschlosses, mal mit, mal ohne Magie, beeinhaltet, ist ein kleines, aber feines Subgenre. Bekanntester Vertreter dürften die Powder Mage/Gods of Blood and Powder Reihen von Brian McClellan sein.
Hier möchte ich zwei Novellas (zusammengefasst als The God King’s Legacy) von Richard Nell vorstellen. Richard Nell gehört zu der immer größer werdenden Riege der sogenannten Independents, die die ihre Bücher ohne Verlag im Hintergrund veröffentlichen. Dies heißt (leider) in der Regel dass die eBooks Amazon exklusiv sind, also ohne “Tricks” bekommt man sie leider nicht auf Tolinos, Kobos etc. Für die Autoren ohne Verlag ist der Weg über Amazon anscheinend konkurrenzlos: Im englischsprachigen Raum fast konkurrenzlos, ein extrem einfaches Inerface, Abrechnung/Abführung der Steuer übernimmt Amazon, Veröffentlichung in mehreren Ländern etc. Oft lohnt es sich aber auch die betreffenden Autoren persönlich anzuschreiben, oft lässt sich dann auch ein anderer Weg finden.
Auf Richard Nell wurde ich durch seine eindrucksvollen Ash and Sand-Bücher aufmerksam. Eigentlich wollte ich zuerst hiervon ein Review veröffentlichen, aber die Bücher brodeln und gären noch in mir, ich muss sie noch etwas sacken lassen. Deswegen reviewe als Schmankerl zwischendurch diesen kleinen Sammelband.


Rebellion of the Black Militia

Hier wird bereits im ersten Kapitel kurzes und knappes Worldbuilding betrieben:

“On the 21st day of May, in the three-hundred forty-second year of God-King Marsun’s rule, I, Johann Planck, Apprentice-Scribe of the fifth mark, have been sent to stop a demon.”
[..]
“I am to be sent East to the province of Humberland, where reports indicate a class five creature has possibly been loosed and is now causing local destruction in the towns and countryside. My orders are to mark my skin with its name, then kill and trap it within my flesh until I have returned to the Scribery for safekeeping.”

Alles Wesentliche wird erwähnt: ein Gottkönig der bereits seit 342(!) das Land regiert, es gibt Dämonen, diese sind in wenigstens fünf Klassen unterteilt, können getötet und in einem Menschen verwahrt werden. Ebenso gibt es eine Scribery (würde ich eigentlich als Schreibwerkstatt übersetzen) deren Lehrlinge entsandt werden um als Behältnis für die Dämonen zu dienen.
Einer dieser Lehrlinge, Johann Planck, ist der Protagonist und Erzähler, den wir auf einer kleinen klassischen Quest begleiten dürfen. Ein Dämon, eine Rebellion gegen die Herrschaft des Gottkönigs, ein grimmiger Ritter, der so gar nicht Johann’s Vorstellungen eines Ritters entspricht, eine Romanze…..alles drin. Sehr knapp, nicht spektakulär, aber ein schöner Einstieg in die Welt.

Devil of the 22nd
Diese Geschichte hat als Setting die gleiche Welt wie Rebellion of the Black Militia, allerdings auf einem anderen Kontinent. Die Verhältnisse der ersten Geschichte werden kurz referenziert, aber spielen vorerst keine Rolle. Hier erkennt man die Zielsetzung von Nell’s Schreibe, wie er sie dann in Ash&Sand im großen Stil ausführt: “Fantasy for Adults”. Ein Konflikt zwischen Republik & Imperium, eine zusammengewürfelte Armee die nicht mehr bezahlt wird, zynische und gewinnsüchtige Offiziere,Sklaverei, Genozid, Bürgerkrieg, Gewalt, Leiden & Brutalität. Die Charaktere bieten wenig bis keine Identifikationsfläche, die inneren Monologe des Erzählers geben mir zu wenig um wirkliches Interesse an der Handlung entwickeln. Dies muss auch nicht sein, aber als Ausgleich hätten mich die Hintergründe des Konflikts und die Geschichte des Kontinents interessiert. Aber leider bleibt auch hier bei Andeutungen und Skizzierungen.

Beide Geschichten sind als Prequels zu den God’s King Chronicles gedacht, insofern sind sie gute Übungen um einmal den Zeh ins Wasser dieser Welt zu halten. Richard Nell hat sich, soweit ich weiß, bisher noch nicht zur Zukunft der Chronicles geäussert, und derzeit arbeitet er an der Fortsetzung von Ash and Sand. Alleinstehend empfinde ich die Kurzgeschichten eher als unbefriedigend, als Ergänzung zu größeren Erzählungen wäre die Bewertung wohlwollender.

Fazit: 6/10.

 

 

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